"Der als Marketing-Schlagwort eingeführte Begriff hatte relativ großen Widerhall in den Medien. "Web 2.0" existiert nicht wirklich (anders als z. B. eine bestimmte Software-Version), sondern bezeichnet am ehesten das Zusammenwirken verschiedener Technologien und eine vermutete bzw. kommerziell/gewerblich gewollte Entwicklungsrichtung." (Wikipedia, s.a. die Infolinks am Ende des Artikels)
Anwendungen, die mit Web 2.0 assozieiert werden:
Vor allen in PR- und Marketing-Blogs kursieren eine Menge Beiträge, die das "Web 2.0" zu einer möglichen neuen Geheimwaffe für Unternehmen erklären. Leider erschöpfen sich diese Artikel oft in einem allgemeinen Lobgesang auf die allseits bekannten Anwendungen ohne konkreten Nutzen für Unternehmen aufzuzeigen.
So bleibt unklar, warum, wofür und zu welchem Zweck/Anlass ein Unternehmen auf eine Web 2.0-Anwendung zurückgreifen sollte. Diese Ziellosigkeit manifestiert sich im Nichtvorhandensein von klar formulierten Aufgaben.
Zwei der Hauptanwendungen, die mit Web 2.0 oft genannt werden, sind Blogs und Wikis. Beide Softwarelösungen existieren schon seit etlichen Jahren und erleben durch den Hype um Web 2.0 eine neue Aufmerksamkeit.
Blogs, am besten umschrieben mit "einfache Web-Content-Management-Systeme", ermöglichen dem Betreiber, schnell und einfach Inhalte im Internet zu publizieren. Eine Kommentarfunktion eröffnet einen Feedback-Kanal.
Wikis gibt es schon länger. Ward Cunnigham programmierte die erste Wiki-Engine 1995. Im Vordergrund stand die Anforderung, schnell Inhalte via Webseite zur Verfügung zu stellen und editieren zu können.
Neu veröffentlichte Inhalte (aus Wikis, Weblogs oder auch statischen HTML-Seiten) können mit RSS/Atom-Seiten "abonniert" werden. Dazu braucht der Nutzer einen Feed-Reader oder einen entsprechenden Browser. Die gängigen Browser (IE, Firefox, Safari, Opera) haben solche Feed-Reader integriert.
Ein Web-to-Print-Angebot entsprich im klassischen Sinne einem Web-Dienst.
Alle sozialen Netzwerke (Xing, studiVZ, MySpace, etc.) greifen in der einen oder anderen Form auf oben genannte Anwendungen und Techniken zu. Den Nutzern bieten sie simple Möglichkeiten, sich selbst zu präsentieren und Kontakt mit Interessenspartnern aufzunehmen.
So vielfältig die Möglichkeiten in der "neuen" Web 2.0-Welt auch sind, die Ausgangsfrage bleibt: Wofür? Wichtig für ein Unternehmen ist der Marketingmix aus On- und Offline-Maßnahmen. Onlineangebote bzw. -aktivitäten stellen für ein Unternehmen i.d.R. lediglich eine Erweiterung dar, die mit den Offline-Aktivitäten abgestimmt werden müssen. Crossmedia ist hier das Schlüsselwort. Weitere selbstverständliche Fragen, die im Hype um Web 2.0 verloren gegangen sind:
Das Verlockendste an Web 2.0-Anwendungen ist die nutzerfreundliche Bedienung. Weblogs z. Bsp. lassen sich selbst von ungeübten Anwendern in 5 Minuten installieren und administrieren. Das freut jedes Werbebudget. Komplizierter wird es, wenn die Oberfläche dem Corporate Design angepasst werden soll. Fatal ist es, wenn das Blog in den Suchmaschinen auf den hintersten Plätzen rumlungert und sich in den Kommentaren vielfältiger Blog-Spam seiner selbst erfreut. Unrühmlich endet es, wenn die fragilen, ungeschriebenen Gesetze der Blogosphäre nicht bedacht und berücksichtigt werden.
Die scheinbaren Vorteile erweisen sich dann schnell als Kosten- und Imageschaden-Bumerang. Ist ein Blog erst einmal richtig verhunzt, bleibt oft nur das Abschalten und oder Neuaufsetzen. In jedem Falle ist das Argument von der kostengünstigen Werbemaßnahme nur noch Makulatur.
Web 2.0 wird auch als das neue "Mit-Mach-Web" bezeichnet. Denn:
Aus Sicht des Marketing ist vor allem der Aspekt interessant, daß aus den einstigen Konsumenten nun Prosumer, also "Produzenten + Konsumenten" in einem geworden sind. D.h.: daß identifizierte Zielgruppen oft nur all zu gerne bereit sind, die Werbebotschaften aus den Marketingabteilung in die (virtuelle) Welt hinauszutragen. So denn die Zielgruppe zu jenen gehört, die sich gerne und viele Informationen aus dem Internet holt, Blogs liest und sich in Foren und Chaträumen mit Gleichgesinten unterhält ... und das spezielle Produkt von Unternehmen X bevorzugt oder einfach mag. Auf wie viele Klein- und Mittelständische Unternehmen trifft dies zu? Sind alle Produkte Web 2.0-fähig? Kann der Hersteller von Schleudersitzen für Kampfbomber, dessen Auftragsbücher in direktem Zusammenhang mit dem Bundesdeutschen Wehretat stehen, Web 2.0 nutzen? Und wozu?